Gezwitscherte Polit-Kommunikation

16.03.2009 | von Harald Link | Kategorie: Politik

Am Microbloggingdienst Twitter scheiden sich die geister. Das Spektrum der Meinungen reicht von totaler Ablehnung bis zu vollkommener Begeisterung. Tatsache ist, das wohl nirgends auf der Welt über so viel Belangloses geplaudert wird wie bei Twitter. Tatsache ist aber auch, dass es nicht viele andere derartige Möglichkeiten gibt, unmittelbar mit Menschen weltweit in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Wer Twitter bewusst und engagiert nutzt, für den ist das Angebot bereits heute eine Fungrube für Meinungsvielfalt, Expertenwissen und Information.

Nun muss man selbstverständlich unterscheiden, wer dort was veröffentlicht. Zahlreiche News-Medien pumpen automatisiert die Headlines ihrer Print- und Online-Publikationen in Twitter und verweisen per Link auf die entsprechenden Artikel auf der Website. Hier, aber besser noch mit Hilfe der durch engagierte Redaktionen “persönlich” betreuten Tweets, kann Twitter die Funktion einer Nachrichtenagentur übernehmen. Mit Hilfe sogenannter Hashtags (Stichworte, denen ein # vorangestellt wird) kann der Nutzer so relativ schnell einen Überblick über alle Tweets zu einem Thema erhalten. Allerdings ist dabei stets Vorsicht geboten, denn der Rausch der Informationsgeschwindigkeit erfasst oft viele, dabei bleibt, wie die Ereignisse in Winnenden gezeigt haben,  leider oft die journalistische Sorgfaltspflicht auf der Strecke. Und natürlichkann jeder sich zu einem Thema äußern, was zu einem Mix aus Nachrichten, Meinungen, Ideologien und manachmal auch Weltverschwörungstheorien führen kann. Der Nutzer ist selbst aufgefordert, die einzelnen Mitteilungen zu werten und einzuordnen.

Twitter bietet auch die Mglichkeit, und das ist der ursprüngliche Sinn und momentan der eigentliche Nutzen, mit Personen direkt in Kontakt zu treten, zu denen man sonst als “Normalbürger” wohl nur schwerlich Kontakt aufnehmen könnte. Insbesondere für Politiker, denen nicht selten vorgeworfen wird, den Bezug zur Basis und zur Bevölkerung verloren zu haben, bietet sich hier eine gute Möglichkeit, der Politikverdrossenheit entgegen zu wirken. Viele tun dies bereits, mal mit mehr, mal mit weniger persönlichem Engagement. Die Kommunikation via Twitter ist heute für viele und in wenigen Jahren vermutlich für einen großen Teil der Bevölkerung eine Selbstverständlichkeit. Die Parteien, Wählervereinigungen, Politiker und Kandidaten tun also gut daran, sich mit diesem Thema zu befassen.

Mittlerweile gibt es sehr interessante Internetseiten, die die Aktivitäten der Parteien und Politiker begleiten und analysieren oder die Tweets “sammeln”, so dass der Nutzer sich permanent über aktuelle Debatten und Aktivitäten informieren kann – die unterschiedlichen politischen Angebote stehen so im direkten Vergleich.

Genannt seien an dieser Stelle z. B. :

> www.parteigefluester.de

> www.wahl.de

> www.wahl.de/bundestweet

Alle großen Parteien setzen beim Europa- und Bundestagswahlkampf auf die Möglichkeiten, die ihnen das Internet heute bietet. Neben den Social Communities sind insbesondere auch Dienste wie Twitter ein fester Bestandteil der Kampagnenplanung. Sorgen Sie also dafür, dass Sie mit dabei sind!

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