“Oppo” – den politischen Gegner im Blick behalten
29.03.2009 | von Harald Link | Kategorie: Politik“Oppo” – Opposition Research – ist nicht gerade die Show-Disziplin im Wahlkampf. Spannend ist die Gegnerbeobachtung dennoch, und unverzichtbar ist sie allemal. Warum, das ist ganz einfach erklärt. Wer sich um ein politisches Amt oder Mandat bewirbt, kandidiert gegen andere. Und dieses “gegen” ist wörtlich zu nehmen: Wahlkampf ist direkte Konfrontation. Es ist unerlässlich, über seinen Gegner informiert zu sein. Zu Wissen, wer er ist, hilft dabei, einschätzen zu können, was er vor hat. Dabei ist “Oppo” kein Freifahrtschein zum Schnüffeln und Bespitzeln. Oppo bedeutet auch nicht, geheime Akten anzulegen oder im Dreck zu stochern. Es sei denn, dieser “Dreck” ist politisch relevant. Ganz deutlich: Opposition Research sammelt informationen über den Gegner, auch, um diese Informationen im Wahlkampf gezielt einsetzen zu können. Aber Ihr eigener Ruf, Ihr Image ist ihr höchstes Gut. Bleiben Sie deshalb seriös und fair.
Was sollten Sie über ihre Mitbewerber wissen?
- Vita: Wer ist der Gegner? Welchen beruflichen, welchen politischen Werdegang hat er? Wie sind die familiären Verhältnisse (Informationen bitte mit Augenmaß sammeln und auswerten!)?
- Mitgliedschaften: In welchen Kammern, Verbänden, Vereinen, Organisationen ist er Mitglied? Hat das Auswirkungen auf seine politischen Ansichten? Vertritt er beispielsweise einseitig bestimmte Interessen?
- Standpunkte: Wofür steht ihr Gegner? Welche politischen und gesellschaftlichen Ansichten hat er? Welche Themenfelder wird er im Wahlkampf beackern, wer sind seine Zielgruppen?
- Strategie: Gibt es Informationen über frühere Wahlkämpfe? Welche Strategie, welche Taktiken wurden damals verfolgt? War er erfolgreich oder ist er gescheitert?
- Unterstützer und Gegner: Auf wen kann der politische Gegner zählen und auf wen auf keinen Fall? Können Sie seine politischen Gegner zu ihren Verbündeten machen?
- Politik: Wenn der politische Gegner bereits Funktionen oder Mandate inne hat: Wie hat er bei welchen Themen argumentiert und abgestimmt? Ist er sich treu geblieben, wechselt er seine Ansichten oder weht sein Fähnchen immer im aktuellen Wind?
- Wahlkampf: Wie führt er seinen Wahlkampf? Welche Schritte bereitet er vor, welche Themen wird er einsetzen, welche Trümpfe ausspielen? Wie wird er argumentieren? Mit welchen Angriffen müssen Sie rechnen?
All diese Informationen sind öffentlich zugänglich: auf den Internetseiten des Kandidaten und der Partei, der Organisationen, in denen er Mitglied ist, in Zeitungen, Zeitschriften, sonstigen Publikationen oder in Sitzungsprotokollen diverser Gremien und Parlamente. Auf öffentlich zugängliche Informationen müssen (und sollen!) Sie Ihre Informationssammlung auch beschränken. Doch diese Informationen sind unerlässlich, um die eigene Strategie, die eigenen Taktiken und die eigenen Themen strukturiert festzulegen.
Sie finden, dieser Aspekt des Wahlkampfs hat einen negativen Beigeschmack? Das mag vielleicht so empfunden werden. Aber Sie dürfen sicher sein: Ihr politischer Gegner sammelt über Sie genau die selben Informationen. “Oppo” ist keine Show-Disziplin. Aber sie ist unerlässlich.

