Warum mieten Sie kein Ladenlokal?
12.03.2009 | von Harald Link | Kategorie: PolitikWo hat der derzeitige Bundestagsabgeordnete Ihres Wahlreises sein Büro? Wo sitzen die Orts- und Kreisverbände der Parteien und Wählervereinigungen, die Sie in den kommunalen Parlamenten, im Landtag, Bundestag und im Europäischen Parlament repräsentieren? Wundern Sie sich nicht auch gelegentlich, wenn Sie an einem Schild vorbei gehen, das Ihnen den Weg weist zum Ortsverband xvy – im Hinterhaus im der zweiten Etage?
Es ist wirklich unverständlich, weshalb viele Parteien und Abgeordnete „klassische“ Büros anmieten. Warum eigentlich nicht ein Ladenlokal? Es muss sicherlich nicht die 1a-Lage sein. Aber leer stehende Ladenlokale, die viel frequentiert werden, gibt es doch (aus Stadtmarketingsicht: leider!) in vielen Gemeinden. Warum nutzen die Parteien diese Möglichkeit nicht verstärkt?
Die Vorteile liegen auf der Hand: Permanente Präsenz in der Kommune statt lediglich Fußgängerzonen-Klapptisch-Sonnenschirm-Präsenz in Wahlzeiten. Die Schaufenster können zu Werbezwecken genutzt werden. Das Parteiprogramm liegt aus. Der Mitgliedsantrag auch. Und viele weitere Informationsmaterialien, an die der Bürger sonst nur über Umwege kommt, wenn überhaupt. Sicherlich würden mehr Bürger den Weg zu den Parteien, Wählervereinigungen und Kandidaten finden, um sich über deren Politik und deren Konzepte zu informieren, wenn räumliche Barrieren abgebaut würden. Das Hinterhof-Büro hat zu viele Hemmschwellen.
Sicher: So ein Projekt ist personalintensiver als ein Büro, in das sich nur alle Jubeljahre einmal jemand verirrt. Aber das ist doch gut so! Denn genau diesen Zustand gilt es ja zu ändern. Was kann einer Partei denn besseres passieren, als sich Gedanken über die Einstellung von Personal machen zu müssen, das den neuen Info-Laden betreut, weil so viele Kunden kommen? Die Türen zu den Parteien und Wählervereinigungen müssen offener sein, als sie es bislang sind. Kaum eine Partei kann sich derzeit über eine massive Eintrittswelle erfreuen – im Gegenteil. Daher ist es an der Zeit, nicht nur medial, sondern auch real auf die Bürger zuzugehen.
Und was hält die Parteien und Wählervereinigungen eigentlich davon ab, in ihren neuen Räumen in der Fußgängerzone eine Espressobar einzurichten oder sich die Räume mit befreundetet Organisationen zu teilen?

